Entstehungsgeschichte des Sängerheims im Erlich


Am 4. September 1949 feierte der Gesangverein Einigkeit auf Initiative seines damaligen Vorsitzenden Wilhelm Becker das erste schriftlich erwähnte „Waldfest“ auf dem Gelände des heutigen Sängerheims Erlich. Zum einen lag das Erlich (Erlenwäldchen) außerhalb des Ortes, anderseits nicht allzu weit vom Ortsetter entfernt, sodass man Festbesuch und Spaziergang wunderbar miteinander verbinden konnte. Auch der etwas mystische Ort des Quellenhäuschens (von dort holte angeblich der Klapperstorch die Neugeborenen) hatte sicher seine Anziehungskraft.

Nach dem großen Erfolg des ersten Sängerfestes im Erlich fanden auch andere Vereine, dass es sich dort trefflich feiern ließ, so hielten bald auch Musikverein und Feuerwehr ihre Feste auf dem ehemaligen Schießplatz des Reichsarbeitsdienstes ab. Da das Herrichten des Platzes jeweils mit viel Arbeit verbunden war und die Gerätschaften zu Arbeitseinsatz und Festbetrieb immer an- und abtransportiert werden mussten, entschlossen sich die drei Vereine an die Gemeinde heranzutreten und den Bau einer „Festhütte“ zu beantragen.

 

Ende der fünfziger Jahre war es dann soweit. Mit Genehmigung und auch Unterstützung der Gemeinde Hochstetten wurde eine Gerätehütte, die eher als Bunker zu bezeichnen war, mit einem offenen Anbau für den Wirtschaftsbetrieb gebaut.

Gut 10 Jahre später erhielt Hochstetten nach dem neuen Rathaus auch ein neues Feuerwehrhaus und somit hatte die Feuerwehr ein Domizil, in dem sie auch ihre Feste ausrichten konnte. So wurde die Festhütte fortan nur noch von Musik- und Gesangverein genutzt.

Erlich 1973
Festhütte im Erlich 1973



Bald nach der Gemeindereform 1975, die Linkenheim und Hochstetten zu einer Gemeinde machte, fusionierten auch die Musikvereine beider Ortsteile. Der Musikverein hatte, wie zu der Zeit üblich, jedes Jahr ein großes Zeltfest und nutzte die Festhütte kaum mehr. Das brachte den damaligen Vorsitzenden des Gesangvereins Gerhard Dürr auf die Idee, die Festhütte in ein Sängerheim umzubauen. Der Antrag hierzu wurde 1981 gestellt. Vor Baubeginn musste auch noch mit dem Musikverein eine einvernehmliche Lösung gefunden werden, die sich in einem 7-jährigen Nutzungsrecht für zwei Veranstaltungen pro Jahr niederschlug.

Nach vielen, vielen Arbeitsstunden unter der Leitung von Sangeskollege und Verwaltungsmitglied Eberhard Bloy (der Bau wurde fast ausschließlich in Eigenarbeit erstellt) konnte man am 17. Februar 1984 Einweihung feiern.

 

Schon wenige Jahre später, nämlich 1987, stand die erste Umbaumaßnahme an. Der offene Teil, der bei Festen als Schankbetrieb, oder im Sommer als Terrasse diente, sollte ummauert werden, dass man erstens einen Holzlagerplatz hatte und zweitens  bei Festen den Schankbetrieb abschließen konnte und so keine Nachtwachen mehr benötigte. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die längst überfälligen Sanitäranlagen und eine Küche errichtet. Rechtzeitig zum 80-jährigen Bestehen 1988 stand dann ein schmucker geschlossener Bau als Vereinsheim zur Verfügung. Endlich hatte man eine geeignete Heimstatt für die vereinseigenen Familien-, Faschings- Weihnachtsfeiern usw.

Sängerheim vor dem Umbau 1987
Sängerheim Erlich vor dem Umbau 1987
Quellenhäuschen 1987
Das neu erbaute Quellenhäuschen 1987

Im Laufe der Jahre, der Vereinsvorsitz hatte mittlerweile zu Harald Dürr gewechselt, wollte man an diesen Feiern auch die nicht aktiven Mitglieder teilhaben lassen. Damit war klar, das Sängerheim ist zu klein.

Auf der Jahreshauptversammlung 1995 stellte Harald Dürr sein Konzept zur Erweiterung des Sängerheims vor, das von großer Mehrheit für gut befunden und befürwortet wurde. Damit hieß es wieder jede Menge Arbeitsstunden für die Mitglieder der Einigkeit, denn finanziell war das Ganze nur mit nahezu 100 Prozent Eigenleistung zu meistern.

Der Gastraum wurde um mehr als fünf Meter Richtung Hochgestade erweitert und so auf ca. 100 m² vergrößert. Auch der Akustik wurde Rechnung getragen und die vom alten Flachdach stammende Zwischendecke abgebrochen, um so mehr Raumhöhe zu gewinnen. Der Vorraum wurde so ausgebaut und eingerichtet, dass er künftig für den traditionellen Frühschoppen genutzt werden konnte. Auch die Küche wurde renoviert und auf den neuesten Stand gebracht. Als Abstellraum baute man eine Garage unmittelbar an den Saal an, und mit zwei neuen Kühlräumen ist man fortan jeglichen Festivitäten gewachsen.

Sängerheim im Erlich 1988
Sängerheim im Erlich 1988

Pünktlich zum 90-jährigen Bestehen verfügte die Einigkeit nun über ein wunderschönes, funktionelles Vereinsheim, das im Rahmen des Sängerfestes eingeweiht wurde. Stolz war Vorsitzender Harald Dürr auf die großartigen, selbstlosen Arbeitseinsätze seiner Mitglieder und kündigte an, das neue Sängerheim mit Leben erfüllen zu wollen. So wurde beschlossen, ab sofort die letzte Singstunde im Monat im neuen Sängerheim abzuhalten. Seit Ende 2005 finden nun sämtliche Proben und vereinseigenen Feiern im neuen Haus statt. Der Gesangverein Einigkeit Hochstetten hat endgültig seine Heimat gefunden.

 

 

Sängerheim heute
Unser Sängerheim heute

Rainer Ritz